Wenn Rum-Liebhaber von „High-Ester-Rum“ oder dem legendären jamaikanischen „Funk“ sprechen, ist das mehr als nur Fachsimpelei. Es ist der Schlüssel zu einem der aufregendsten Geschmacksprofile, die die Spirituosenwelt zu bieten hat.
Was genau passiert hier chemisch, und warum sorgt es dafür, dass ein Rum nach überreifen Bananen, Ananas oder sogar fast „fleischig“ schmeckt? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der Rum-Produktion.
Was sind Ester eigentlich?
Einfach ausgedrückt: Ester sind organische Verbindungen, die entstehen, wenn Säuren mit Alkoholen reagieren. In der Welt des Rums sind sie die Hauptverantwortlichen für die fruchtigen und blumigen Aromen.
Während bei vielen anderen Spirituosen die Destillation darauf abzielt, so rein wie möglich zu brennen, verfolgen jamaikanische Brennereien oft einen anderen Ansatz: Sie wollen diese aromatischen Ester gezielt „züchten“.
Die Kunst der Fermentation: Wie der „Funk“ entsteht
Die Magie der Ester-Bildung findet nicht im Brennkessel statt, sondern in der Fermentation – also dort, wo aus Zuckerrohrsaft oder Melasse Alkohol wird. Um die Ester-Konzentration zu maximieren, setzen traditionelle Brennereien auf:
- Lange Fermentationszeiten: Während „normaler“ Rum oft nach 24 bis 48 Stunden destilliert wird, kann die Gärung für High-Ester-Rums mehrere Wochen dauern.
- Dunder & Muck-Pits: Dies ist das bestgehütete Geheimnis der Karibik. „Dunder“ ist die Schlempe (der Rückstand aus dem Brennkessel). In Kombination mit „Muck“ (einem nährstoffreichen Sediment aus Bakterienkulturen) entsteht eine hochaktive Umgebung, die den Hefen bei der Arbeit hilft und die Ester-Bildung massiv ankurbelt.
- Bakterien-Power: Es sind nicht nur Hefen, die arbeiten, sondern gezielt kultivierte Bakterien, die in diesem „Muck“ gedeihen und für die extrem intensiven Aromen sorgen.
Vom tropischen Obstkorb bis zum Leder
Warum schmeckt High-Ester-Rum so speziell? Je nach Konzentration und Zusammensetzung der Ester ergeben sich völlig unterschiedliche Noten:
- Fruchtige Ester: Sie erinnern an extrem reife Ananas, Bananen oder Mango. Dies ist der typische „Hogo“-Charakter, den viele Rum-Fans suchen.
- Chemische Noten: Bei sehr hohen Konzentrationen wird es fast schon acetonartig, medizinisch oder ledrig – das ist der extreme „Funk“, der für Einsteiger herausfordernd, für Profis aber ein Highlight ist.
Old Dragon Rum: Ausgewogenheit durch Handwerk
Bei Old Dragon nutzen wir die Vielseitigkeit dieser karibischen Destillate, um einen Blend zu erschaffen, der beides kann: Er bietet die aromatische Tiefe und Komplexität, die Kenner erwarten, bleibt dabei aber geschmeidig und elegant. Unser Ziel ist es, die karibische Seele der Ester-reichen Rums mit der Struktur und Finesse zu verbinden, die unseren Spiced Rum ausmacht.
Dieser Beitrag ist auch verfügbar in:







