Testing the Wow – Ein Blick in Windows Vista

Vor ein paar Tagen habe ich mir Windows Vista zugelegt. Im folgenden Artikel soll es um Windows Vista Home Premium (32 Bit, Systembuilder) gehen — Erfahrungen beim Umstieg von Windows XP auf Windows Vista, Probleme und erste Eindrücke.

Warum Windows Vista Home Premium?

Ich habe für diese Version entschieden, Windows Basic mir etwas zu wenig bot:
Wenn schon Vista, dann will ich auch die neue Aero-Oberfläche nutzen können. Auch die Option, das Media Center zu nutzen, einen MPEG-2-Decoder bereits dabei zu haben und vielleicht später SideShow — also Darstellung von bestimmten Windows Inhalten in extra Displays, evtl. auch wenn das System im Ruhezustand ist — nutzen zu können, waren mir wichtig. Die Verschlüssungsfunktionen der “höheren” Versionen, Dynamische Datenträger, Remote Desktopn oder erweiterte Netzwerkfunktionen waren mir dagegen nicht so wichtig.
Da ich auf den kostenlosen Support von Microsoft verzichten kann, habe ich zur wesentlich preiswerteren Systembuilder-Version gegriffen, auch wenn die weniger hübsch verpackt ist. Theoretisch wäre es per Upgrade-Version gegangen, aber da störten mich die Probleme bei der Neuinstallation auf ein System, auf dem die Vorversion noch nicht installiert ist.

Die Installation
…verlief an sich problemlos — als sie dann lief.
An verschiedensten Stellen (u.a. in einer der letzten Ausgaben der c’t) ist zu lesen, dass man eine mindestens 40 GB große Partition benötigt, auf der noch 15 GB frei sind. Ich vermute, dass in diesen 40 GB bereits der Platz für weitere Programme wie z.B. Office-Pakte enthalten ist, denn Vista allein kommt mit etwa 7 bis 8 Gigabyte aus (so groß ist zumindest bei mir der Windows-Ordner).
Daher hatte ich mein Windows-XP-Partition vergrößert, um dann das Upgrade auszuführen. Als ich aber nach Einlegen der DVD auf Installieren geklickt habe, passierte nichts. Scheint so, als ob ein Upgrade bei dieser Version nicht so einfach möglich ist. Allerdings ist es etwas seltsam, dass keine Fehlermeldung, keinerlei Hinweis kam. Aber egal, ich habe also mein Windows XP gelöscht und Vista als komplette Neuinstallation auf die Platte gepackt.

Die Installation lief dann wie gesagt problemlos. Es gibt relativ wenige Abfragen während des Verlaufs, und nach nicht mal einer Stunde konnte ich mich in Vista einloggen.

Das Betriebssystem – Ein kurzer Überblick

Nach dem Einloggen gibt Vista den Blick auf die neue Aero-Oberfläche frei. Alles ist dezent farbenfroh, Fenster erscheinen und verschwinden auf sanfte Weise und der 3D-Fensterwechsel zeigen: Ja, die Grafikkarte unterstützt DirectX9. Ansonsten bliebe die vereinfachte Basic-Oberfläche ohne Effekte. Im gesamten Betrieb wirken sich die Effekte eigentlich nur unmerklich auf die Systembelastung aus und alles läuft sehr flüssig. Fein, dass Microsoft hier nun langsam an den Punkt anzukommen scheint, den Apple mit MaxOS X schon vor Jahren erreicht hat.

Insgesamt ist das Konzept von Windows natürlich das alte geblieben. Der einst vorgesehene Aufbau des Dateisystem auf eine Datenbank zwecks leichterer Suche ist verschoben worden und außer Aero finden sich die Neuerungen vor allem im Detail. So kann man an verschiedensten Stellen suchen und indizierte Daten (nein, nicht nur jugendgefährendenden Schriften) werden schnell gefunden. Allerdings ist der Startpunkt der Suche – je nachdem, ob man im Eingabefeld des Startmenüs oder im Explorer suchtteilweise unterschiedlich. Aber gerade die Suche im Startmenü erleichtert das Finden installierter Programme und zuletzt verwendeter Dokumente. “ed” eingegeben, und schon ist der Editor (also Notepad) ganz oben in der Liste — man braucht nur noch Enter drücken und das Programm startet. Unter XP wurden dafür extra Programme wie Launchy benötigt.

Auch die Navigation im Explorer und den Datei-Öffnen-Dialogen gestaltet sich erheblich einfacher. So wird in der Adressleiste der gesamte Pfad in seine Bestandteile zerlegt, neben denen jeweils ein kleiner Pfeil ein Menü öffnet. Damit kann man schnell zu den Unterordnern der hier ausgewählten Verzeichnisebene springen.
Angenehm ist auch das Stufenlose Zoomen von Thumbnails (Bildvorschauen) und Symbolen im Explorer.

Was auffällt sind die häufigen Nachfragen, ob man Zugriffe von Programmen auf tiefere Systembereiche zulassen möchte. Manch einen mögen die Nachfragen zwar nerven, mich persönlich beruhigen sie dagegen. Denn so bekomme ich hoffentlich auch mit, wenn irgendwelche Schadsoftware sich ins System einnisten will.

Tja, was gibt es noch an tollen neuen Sachen… vieleicht wäre da ein nettes Schachspiel zu erwähnen oder die Tatsache, dass man die Lautstärke für alle geöffneten Programme unabhängig voneinander regeln kann. Vor allem Letzteres ist äußerst praktisch, kann man so dass Dröhnen der Rennsimulation nun auch hierüber leiser stellen, während nebenbei im Media Player (oder Winamp oder Foobar2000) eine Bachsonate läuft.
Angenehm ist auch die integrierte Sprachsteuerung / Diktiersoftware, die beim ersten Testen einen überzeugenden Eindruck machte.

Was lief, und was nicht

Wie mir bereits der Microsoft Windows Vista Upgrade Advisor unter XP androhte, funktionierte mein Scanner (Canon N1240U) zunächst nicht. Treiber für Vista scheint es bei Canon auch noch nicht zu geben. Allerdings ging es dann doch mit den neuesten Treibern von der Canon-Webseite. 64 Bit wird hier aber noch nicht unterstützt.

Meine TV-Karte (Terratec Cinergy 400) lief mit neuen Treibern, Terratec unterstützt Vista. Jedoch läuft die hauseigene Spftware etwas schleppender unter Vista als unter XP. Das mit der Karte mitgelieferte WinDVR 3 läuft jedoch nicht, eine Unterstützung für Vista ist laut Terratec-Support auch nicht zu erwarten. Toll. Dies ist für mich ein essentielles Programm, da es wesentlich Stabiler läuft und bessere Aufnahmen macht als die Terratec-Software. An dieser Stelle dachte ich zum ersten mal daran, Windows XP als Zweitsystem zu installieren.

Was auch nicht lief war Trackmania-Nations, was an dem verwendeten Kopierschutz lag (obwohl das Spiel gratis erhältlich ist). Ein Patch für Vista funktionierte bei mir nicht.

Alles andere lief erstmal ohne Probleme. Mein OnBoard-Soundchip (AC97) gab zwar zunächst keinen Mucks von sich, aber da schien Windows noch beim Treiber installieren gewesen zu sein, denn nach ein paar Minuten gab es dann doch Sound.
Die aktuellen Treiber von ATI liefen ebenfalls, Ebenso Programme wie TrueCrypt (Erstellen einer neuen Partition aber noch nicht probiert), foobar2000, Winamp, IrfanView usw. Aber hier waren ja auch nicht so viele Probleme zu erwarten, zumindest nicht bei 32 Bit. Treiber für Maus, Mainboard oder Monitor mussten nicht installiert werden.

Der Haken

Letzendlich arbeite ich nun doch wieder unter Windows XP und vermisse bereits die erwähnten Neuerungen von Vista. Der Grund liegt in meiner Grafikkarte und nicht Wohl bei Vista.
Meine Ati Radeon 9500 stürtzte bereits unter XP bei Verwendung des Ruhezustandes öfter ab. Unter Vista gab es bei Verwendung von Aero sehr häufig Abstürze (der Bluescreen war dabei immer leer und ohne Text), bei Verwendung der Basis-Oberfläche deutlich weniger, aber immer noch oft genug, um ein friedliches Arbeiten zu stören. Daher benutze ich nun gezwungenermaßen wieder XP, zumindest solange ich keine neue Grafikkarte habe.

Fazit

Microsoft ist mit Vista sicherlich kein ganz großer Wurf gelungen. Dennoch überzeugt das neue Sicherheitskonzept und die Summe der vielen einzelnen Funktionen, die die Verwendung von Windows angenehmer machen.

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